Obermuschütz
Obermuschütz war ursprünglich eine selbständige Gemeinde und wurde 1935 nach Zehren eingemeindet (heute Ortsteil von Diera‑Zehren). Der Ort liegt am oberen Rand eines Trockentales, rund 80 m höher als Zehren, und ist Durchfahrtsort an der B6.
- Erstnennung: 1334 („Muchsvicz superius“); altsorbische Herkunft
- Dorfart: Platzdorf am Rand eines Trockentales (70 m über Niedermuschütz)
- Landwirtschaftliche Nutzfläche: ca. 191 ha
- Einwohner: ca. 105 (1834–1925 relativ konstant) – 59 (31.12.2002)
- Heute landwirtschaftlich: Betrieb Robert Horn
Name, Verwaltung & frühe Struktur
Die Schreibweise änderte sich mehrfach (z. B. 1350 „Obirn Mazcwicz“, 1378 „Mussewicz superior“, 1428 „Obir Muschewicz“). Verwaltungszugehörigkeiten wechselten u. a. zwischen Castrum Meißen, Erbamt Meißen, Amt/Gerichtsamt Meißen und Amtshauptmannschaft Meißen.
Im Ort gab es 1547 8 „besessene Mann“ (Landbesitzer) mit insgesamt 16 Hufen. Das Rittergut Schieritz wird als Grundherr mehrfach genannt – mit entsprechenden Dienst- und Abgabepflichten der Bewohner.
Landwirtschaft & Böden
Die Böden gelten als sehr fruchtbar und gehören zum „Zscheilitzer Lößriedel“, einem Teil der Lommatzscher Pflege. Am Südrand des Dorfes wurde bis zum Beginn des 1. Weltkriegs Ton im Tiefbau gewonnen.
Kriegsende 1945
Im April 1945 war Obermuschütz aufgrund der Lage Kampfgebiet. Durch Artilleriebeschuss brannten 16 Gebäude ab; viele Einwohner wurden nach Riesa evakuiert.
LPG-Zeit & Gewerbegebiet
Mit der größer werdenden Landtechnik entstand 1965 ein Technik‑Stützpunkt. Für die geplante Rindermast folgten 1969 eine Pilotanlage (400 Plätze) und ab 1.4.1970 eine große Rindermastanlage für 1680 Tiere (Beteiligung u. a. LPG Wölkisch und Piskowitz als Lieferer).
Nach der Wende wurde die Anlage umgebaut: heute sitzt dort der Baubetrieb Peter Nitsche GmbH. Aus dem ehemaligen Stützpunkt entwickelte sich ein Gewerbekomplex mit u. a. Einkauf, Tankstelle und verschiedenen Handelseinrichtungen. Der Ort hat zudem eine Bus‑Haltestelle mit Verbindung Richtung Riesa/Zehren‑Meißen.
Heute
Viele Gebäude wurden modernisiert. Von Obermuschütz bietet sich ein weiter Blick Richtung Elbe und auf die Weindörfer rechts der Elbe – nicht ohne Grund spricht man (etwas übertrieben) vom „Blick auf die Sächsische Riviera“.
Quelle
Quelle (Ortstext): Wolfgang Schmidt, Obermuschütz, Schieritz, 2003.
Weitere Literatur/Quellen (Auswahl): Werte unserer Heimat: Lößhügelland bei Meißen (Berlin 1979); Akten des Ev.-Luth. Kirchenamtes Zehren (Hufenregister); Akten Kreisarchiv Meißen; u. a. Inge Grimm (Ausarbeitung), Ida Schwarzer (Materialsammlung), W. Schmidt (Böden der Lommatzscher Pflege, 2000, unveröffentlicht).
