Niederlommatzsch

Niederlommatzsch war bis 1994 eine selbständige Gemeinde. Der Ort liegt an der Elbe, rund 13 km nördlich von Meißen, und ist per Personenfähre mit Diesbar-Seußlitz an der Sächsischen Weinstraße verbunden. Seit dem Zusammenschluss mit Zehren (1.1.1994) gehörten u. a. Naundorf, Hebelei, Göhrischgut und Häuser am Eckardsberg zuvor zur Gemeinde Niederlommatzsch.

Ort & Entwicklung

Die Zugehörigkeit wechselte über die Jahrhunderte (u. a. Castrum Meißen/Supanie Muschütz, Erbamt Meißen, Amt/Gerichtsamt Meißen, Amtshauptmannschaft Meißen). Kirchlich gehörte der Ort u. a. zur Kirchgemeinde Boritz (1539 und 1930).

Am Lommatzschbach (auch Wiesenbach/Goldbach) ist eine Wassermühle erstmals 1723 erwähnt. Der Dreiseitenhof mit oberschlächtigem Wasserrad umfasste Wohn- und Mühlengebäude sowie Backstube/Bäckerei. Betrieb: bis 1923 Getreidemühle, bis 1970 Schrotmühle; danach Umbau. Erhalten sind in die Terrasse eingelassene Mahlsteine.

Die Wasserkraft reichte oft nur für den kleinen Mahlgang – für den großen Gang wurde zusätzliche Elektroenergie zugeschaltet.

Schule, Feuerwehr & Gewerbe

Eine Schule wurde 1847 erbaut und 1956 geschlossen. Danach besuchten Kinder die Zentralschule/Polytechnische Oberschule in Zehren. Ein Kindergarten (Eröffnung 1958) wurde 1996 geschlossen. Die Freiwillige Feuerwehr Niederlommatzsch (Sitz in Naundorf) besteht seit 1942 als Ortsfeuerwehr.

Im oberen Ortsteil lagen bäuerliche Wirtschaften. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es zahlreiche Handwerks- und Gewerbebetriebe (z. B. Gemischtwaren/Kurzwaren, Butterhandel). Zwischen 1956 und 1976 wurden 52 Gewerbe- und Handwerksanmeldungen verzeichnet. Als Beispiel wird die Schmiede (ab 1830, später Familie Baldauf) genannt – sie bestand bis 1990; Hufbeschlag war noch 1951 üblich.

Ein Lebensmittelgeschäft der Familie Dietrich bestand über drei Generationen (1894–1992).

Tourismus heute

Der Tourismus ist heute eine wichtige Einnahmequelle. Aus dem früheren Gasthaus Arnold entstand die überregional bekannte „Elbklause“ (Landhotel). Als Anziehungspunkte gelten Fähre, Elbeblick, Schloss Hirschstein sowie gegenüber Schloss Seußlitz mit Luisen- und Heinrichsburg. Bereits 1843 ordnete Karl Julius Hofmann den Ort dem „Sächsischen Italien“ zu.

Ein Fährbetrieb ist an dieser Elbstrecke seit Jahrhunderten wichtig (keine Brücken zwischen Meißen und Riesa). Bereits 1268 erhielt das Kloster Seußlitz das Überfahrtsrecht. 1958 kaufte die Gemeinde die Fähre zurück. Zu Pfingsten 1993 wurde eine neue Fähre feierlich in Dienst gestellt – sie trägt den Namen „Stolzenfels“. Heute ist die Fähre zentrale Verbindung für Pendler und Touristen.

Niederlommatzsch hat eine ausgeprägte Schiffer- und Fährtradition. Dienstbücher sind ab 1900 belegt; auch Schiffseigner (u. a. Arnold, Gelbhaar, Leuschner) werden genannt. Seit 1836 war die Dampfschifffahrt auf der Elbe erlaubt. Die Familie Arnold prägte Gasthaus, Landwirtschaft, Steinbruch und das Fährrecht (1912–1958).

Die Geschichte der „Stolzenfels“: 1928 als Schleppkahn (850 t) gebaut, 1938 zum Motorgüterschiff umgerüstet (400 PS Deutz). Einsatz auf Elbe/Moldau bis zu Rhein/Main/Donau. 1961 Übergang in staatliche DDR-Binnenschifffahrt, 1963 Havarie und Außerdienststellung. Der Anker ziert heute die Elbterrasse.

Quelle

Quelle: W. Schmidt, Niederlommatzsch, Schieritz, 2003.

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