Naundorf

Naundorf war früher eine selbständige Gemeinde mit den Ortsteilen Hebelei und Göhrisch sowie den ehemaligen Winzerhäusern am Eckardsberg. Seit dem 1.11.1935 gehörte Naundorf zur Gemeinde Niederlommatzsch; am 1.6.1994 wurde es mit Zehren vereinigt.

Geschichte in Kürze

Die historischen Entwicklungen und archäologischen Funde sind in einer Festschrift ausführlicher behandelt; hier folgt eine kompakte Zusammenfassung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im Ort u. a. 7 Bauernhöfe, 4 Nebenerwerbswirtschaften, eine Gastwirtschaft und eine Böttgerei. Wie vielerorts prägten Kriegs- und Nachkriegszeit, das Trockenjahr 1947 sowie hohe Ablieferungspflichten den Alltag.

LPG & Wandel

Vor der LPG‑Gründung entstand ein Stützpunkt der MTS Schletta (mit Wohnhaus). Mit der LPG‑Gründung 1961 (teils unter Druck) wurden die Flächen von Naundorf, Windorf sowie Ober‑ und Niederlommatzsch der LPG Typ III Wölkisch zugeordnet. Im Ort entstanden u. a. Kuhstall und Mehrzweckhalle.

Der Feldgemüsebau (Radies, Blumenkohl, Rosenkohl, Bohnen) wurde stark erweitert. Aufbereitung und Vermarktung schufen insbesondere Arbeitsplätze für viele Frauen. Anfangs wurden die Felder mit Elbewasser beregnet.

Nach dem Verbot der Elbewasser‑Nutzung für die Beregnung entstanden in Naundorf und Niederlommatzsch je ein Rückhaltebecken. In Naundorf entwickelte sich daraus heute ein Biotop.

Naundorf heute

Auch ohne direkte ÖPNV‑Anbindung und Einkaufsmöglichkeit im Ort wurden viele Altgebäude modernisiert; zusätzlich entstanden neue Wohnhäuser (u. a. 1994 ein Mehrfamilienhaus). Im ehemaligen LPG‑Stützpunkt befindet sich heute eine Fahrschule für Berufskraftfahrer. Der Ort hatte 107 Einwohner (Stand 31.12.2002).

Überliefert ist eine Anekdote um den Gastwirt und Böttcher P. Fischer, der beim Weinverkauf ausblieb. Seine Frau Olga wartete im weißen Nachthemd – als er die „weiße Gestalt“ bei der Weide sah, bekam er es mit der Angst zu tun und rief: „Alle guten Geister loben Gott den Herrn!“ – worauf Olga trocken antwortete: „Ich werde dich gleich heimloben“ und ihn nach Hause zog.

Quelle

Quelle (Ortstext): Zusammengestellt von W. Schmidt, 2002.

Literatur/Material (Auswahl): „Werte unserer Heimat: Elbtal und Lößhügelland bei Meißen“, Bd. 32 (Berlin 1979); Akten des Evang.-Luth. Pfarramtes Zehren (Hufenregister); Zuarbeiten/Material u. a. Christian Bernd, Rita Rumberg, Fritz Westphal, Inge Grimm.

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