Seilitz
Seilitz war bis 1935 eine selbständige Gemeinde und wurde danach nach Zehren eingemeindet (heute Ortsteil der Gemeinde Diera‑Zehren). Der Ort liegt auf dem Seilitzer Plateau der Lommatzscher Pflege – ein Lößgebiet mit Taleinschnitten und zwei bedeutenden Kaolin‑Lagerstätten. Die Ortslage liegt in einer Geländemulde.
- Ersterwähnung: 1334 („Sylicz“); Rundweiler (1427)
- Fläche um 1900: ca. 177 ha (Landgemeinde)
- Einwohner: 72 (1920) – ca. 26 (1996) – 17 (2002)
- Kaolin im Untergrund fast rund um den Ort: Mächtigkeit ca. 6–13 m (bis zum Ausgangsgestein)
Kaolin – warum Seilitz bekannt wurde
Der Ort wurde durch den Kaolinabbau bekannt. Dabei unterscheidet man:
- die Lagerstätte der Staatlichen Porzellan‑Manufaktur Meissen (kleinstes Bergwerk Deutschlands, älteste Kaolingrube Europas im Betrieb)
- das Abbaufeld der Kaolin‑ und Tonwerke Seilitz‑Löthain (industrielle Aufbereitung/Absatz)
Entstehung des Kaolins (kurz)
Die Entstehung des Kaolins wird im Ort oft erklärt, weil der Abbau über Generationen präsent war: Aus verwitterten Pechsteinen/Quarzporphyren entstanden in feuchtwarmem Klima durch chemische Prozesse Tonminerale (Kaolinit); Eisenverbindungen wurden verdrängt, wodurch die Lagerstätten stark ausbleichten.
Zeitliche Entwicklung des Abbaus
- 1750: Suche nach „Weißer Erde“ im Auftrag der Porzellan‑Manufaktur
- 1763: erster Abbau weißer Tonerde in Seilitz (Tagebau)
- 1764: Hinweis Hahnefeld; Blaumaler Grösel übernimmt bergmännische Arbeiten; Seilitzer Erde ersetzt „Schneeberger/Auer Erde“
- 1814: Manufaktur erwirbt alleinige Abbaurechte „für alle Zeiten“
- 1825: Übergang zum Tiefbau; jährliche Förderung ca. 300 t Rohkaolin für Meissen
- 1872–1875: zweite Lagerstätte (Kaolin‑ und Tonwerke Seilitz‑Löthain / Krister) + Schlämmerei im Tal
- 1981–1989: neue Tagebaue/Schlämmerei; 1989 Schließung Tiefbau (Seilbahn abgebaut)
- 1990: Umwandlung in GmbH; Produktion ca. 12.000 t aufbereitetes Kaolin/Jahr (ca. 20 Arbeitskräfte, Stand 2003)
Ein Zeitzeuge (Ernst Zschörper, geb. 1846) beschreibt, wie Kaolin früher aus Gruben gefördert, zur Schlämmerei transportiert und später per Drahtseilbahn bewegt wurde – ein eindrücklicher Blick in die Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts.
Quelle
Quelle: Wolfgang Schmidt, Seilitz, Schieritz, 2003.
Weitere Hinweise im Text: Amtsblatt Diera‑Zehren 02/2003 (Bevölkerung); „Werte unserer Heimat: Elbtal und Lößhügelland bei Meißen“, Bd. 32 (Berlin 1979).
