Seilitz

Seilitz war bis 1935 eine selbständige Gemeinde und wurde danach nach Zehren eingemeindet (heute Ortsteil der Gemeinde Diera‑Zehren). Der Ort liegt auf dem Seilitzer Plateau der Lommatzscher Pflege – ein Lößgebiet mit Taleinschnitten und zwei bedeutenden Kaolin‑Lagerstätten. Die Ortslage liegt in einer Geländemulde.

Kaolin – warum Seilitz bekannt wurde

Der Ort wurde durch den Kaolinabbau bekannt. Dabei unterscheidet man:

  • die Lagerstätte der Staatlichen Porzellan‑Manufaktur Meissen (kleinstes Bergwerk Deutschlands, älteste Kaolingrube Europas im Betrieb)
  • das Abbaufeld der Kaolin‑ und Tonwerke Seilitz‑Löthain (industrielle Aufbereitung/Absatz)

Entstehung des Kaolins (kurz)

Die Entstehung des Kaolins wird im Ort oft erklärt, weil der Abbau über Generationen präsent war: Aus verwitterten Pechsteinen/Quarzporphyren entstanden in feuchtwarmem Klima durch chemische Prozesse Tonminerale (Kaolinit); Eisenverbindungen wurden verdrängt, wodurch die Lagerstätten stark ausbleichten.

Zeitliche Entwicklung des Abbaus

  • 1750: Suche nach „Weißer Erde“ im Auftrag der Porzellan‑Manufaktur
  • 1763: erster Abbau weißer Tonerde in Seilitz (Tagebau)
  • 1764: Hinweis Hahnefeld; Blaumaler Grösel übernimmt bergmännische Arbeiten; Seilitzer Erde ersetzt „Schneeberger/Auer Erde“
  • 1814: Manufaktur erwirbt alleinige Abbaurechte „für alle Zeiten“
  • 1825: Übergang zum Tiefbau; jährliche Förderung ca. 300 t Rohkaolin für Meissen
  • 1872–1875: zweite Lagerstätte (Kaolin‑ und Tonwerke Seilitz‑Löthain / Krister) + Schlämmerei im Tal
  • 1981–1989: neue Tagebaue/Schlämmerei; 1989 Schließung Tiefbau (Seilbahn abgebaut)
  • 1990: Umwandlung in GmbH; Produktion ca. 12.000 t aufbereitetes Kaolin/Jahr (ca. 20 Arbeitskräfte, Stand 2003)

Ein Zeitzeuge (Ernst Zschörper, geb. 1846) beschreibt, wie Kaolin früher aus Gruben gefördert, zur Schlämmerei transportiert und später per Drahtseilbahn bewegt wurde – ein eindrücklicher Blick in die Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts.

Quelle

Quelle: Wolfgang Schmidt, Seilitz, Schieritz, 2003.

Weitere Hinweise im Text: Amtsblatt Diera‑Zehren 02/2003 (Bevölkerung); „Werte unserer Heimat: Elbtal und Lößhügelland bei Meißen“, Bd. 32 (Berlin 1979).

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